Ich hab es nie gemocht. So ziemlich alles daran ist unangenehm. Vom kompletten Entkleiden in den Garderoben, bis zum peinlichen Schlappmachen weil schon nach 3 Bahnen keine Kraft mehr vorhanden ist. Trotz dessen habe ich mich von einem Freund dazu überreden lassen, mal wieder Schwimmen zu gehen.
Bei Ankunft in der örtlichen Schwimmhalle wird bereits die erste Befürchtung wahr. Obwohl das Bad vollkommen abseits jeglicher Wohnhäuser und Großstraßen liegt, ist das Becken voll! Zu voll! Das ohnehin schon vorhandene flaue Gefühl in meinem Magen verstärkt sich nochmals und ich will schon wieder umkehren. Doch dafür ist es jetzt zu spät. Also einfach nichts anmerken lassen und weiter geht’s. Eintritt bezahlen, Umziehen gehen… die nächste Hürde! Da ich in dieser Hinsicht etwas verklemmt bin, erspare ich mir die Peinlichkeit meinen gesamten Körper nackt zu präsentieren. Die Badehose befindet sich bereits anstelle der Shorts, was mich allerdings in die nächste Zwickmühle bringt. Schließlich will ich auch nicht wie ein verklemmter Spießer oder ein peinlich berührter Teenager wirken. Egal, denn zum Glück befindet sich gerade keine andere Person in der Garderobe. Also schnell herunter mit der Hose und ab unter die Dusche.
Nach einem kurzen Schauer betrete ich die Halle und nun schlägt mein Magen endgültig Purzelbäume. Überall tummeln sich Rentner und Jugendliche in bester Schwimmermanier. Doch ich will mir nichts anmerken lassen, also begebe ich mich mit meinem Kumpel schnell zum Becken und klettere in das kühle Nass. Da ich offenbar der Einzige hier bin, der keine Sympathien für Schwimmhallen hegt, lege ich lieber sofort los und ziehe meine ersten Bahnen. Bloß nicht auffallen!
Die erste Bahn wird noch ganz lässig genommen, genau so die Zweite. Bei der Dritten machen sich schon erste Anzeichen von Schwäche bemerkbar. Die vierte Bahn, ich bin am Ende! Mit viel Mühe erreiche ich den Beckenrand und gönne mir erstmal eine Pause. Die Arme sind schwer, der Bauch schmerzt, die Atmung hat Hochbetrieb. Hoffentlich hat niemand meine peinliche Vorstellung mitbekommen. Doch so schnell gebe ich nicht auf, nach zwei Minuten starte ich einen neuen Versuch. Diesmal geht es schon besser, auch wenn mich die wenigen Arm- und Beinbewegungen schon wieder zu Höchstleistungen treiben.
Ich brauche eine Orientierung. Rentner! Mir fällt auf, dass die älteren Herrschaften etwa das selbe Tempo drauf haben wie ich. Zum Glück belegen sie eine gesamte Bahn für sich, so dass ich mich dort nahtlos eingliedern kann. Es ist mir nicht peinlich. Unangenehmer wäre es, die schnelleren Schwimmer auf den anderen Bahnen mit meinem Tempo zu behindern.
Es läuft immer besser. Auf der Rentner-Bahn bin ich mittlerweile vollkommen integriert, auch meine zwei-minütigen Pausen nach jeder dritten geschwommenen Bahn fallen hier Niemandem auf. Sie machen es ja selbst nicht besser.
Nach einer guten Stunde gebe ich schließlich nochmal richtig Gas und schwimme meine letzte Bahn. Dabei überhole ich sogar erstmals einen meiner Mitstreiter, das Gefühl in diesem Moment ist unbeschreiblich. Ich verlasse das Becken, meistere den Akt des Umziehens im Handumdrehen und trockne meine Haare. Meine Arme sind schwach, beinahe jede Stelle am Körper tut weh. Vollkommen egal.
Nächste Woche kauf ich mir eine Dauerkarte.
Erinnert mich stark an Horst Evers.
Das ist als Kompliment zu verstehen.
Bitte mehr in diesem Stil!